Wie die Schokolade zur Kunst kam
Ideen muss man einfach umsetzen, meinen Elke Henning und Thomas Hau
Die oberen Neckarvororte sind voll von kreativen Menschen - Tüftler, Künstler, Werbe-Menschen. Heute haben wir zwei davon im Blick, die ihre unterschiedlichen Talente zusammenbringen und etwas Gemeinsames auf die Beine stellen wollten. Sie malt, er kocht - was kann daraus werden? Ein spannendes Unternehmen mit Kunst und Genuss, das sich stetig weiter entwickelt, zu finden als "La Galerie - H&H - Chocolaterie" an der Ecke Oberstdorfer-/Stubaier Straße
Es geht um Kunst und um Genuss. Das stand fest, viel mehr nicht.
Elke Henning hatte vor Stuttgart in Wangen im Allgäu gelebt und gemalt.
Thomas Hau ist in Hedelfingen aufgewachsen, hat aber lange in der gehobenen Gastronomie und Patisserie in Norddeutschland gearbeitet. In Stuttgart machten sich die beiden auf die Suche nach einem Ort, um ihre Talente zusammenzubringen.
Ein detailliertes Konzept oder eine Wirtschaftlichkeitsberechnung hatten sie nicht.
Aber die Überzeugung, dass gehobene Küche und Kunst zusammenpassen und das Wissen, dass sie beide ungeheuer viel Energie entwickeln, wenn sie für eine Sache entflammt sind.
In Untertürkheim fanden sie schöne Räume und einen Stadtteil, dessen Mischung aus vielen verschiedenen Menschen sie faszinierte. Thomas Hau hält ihn für geradezu prädestiniert für kleine Manufakturen und eine Kunst-Szene.
Zur Eröffnung der Galerie im Oktober machte der 56-Jährige ein Fingerfood-Büffet.
Eigentlich als Gag stellt er selbst gemachte Pralinen und Schokoladentafeln dazu, auf deren Verpackung Ausschnitte aus Elke-Henning-Bildern gedruckt waren.
Das schlug ein, danach riefen die Leute an und wollten mehr davon.
Damit war der Grundstein zur kleinen Schokoladenmanufaktur gelegt - nach Kenntnisstand von Henning und Hau ist es die einzige in Stuttgart.
"Eigentlich wollte ich ein bisschen kochen hier, jetzt mache ich ein bisschen Schokolade hier", sagt Hau.
So wurde aus der "unschuldigen Theke", die die beiden aufgestellt hatten, eine Chocolaterie.
Demnächst soll noch eine Sitzecke einladen, gemütlich einen Kaffee oder eine heiße Schokolade zu trinken.
Thomas Hau rührt und gießt im unteren Geschoss hingebungsvoll seine aufwändigen, feinen Tafeln, die es mittlerweile auch in Kombination mit Elke-Henning-Originalen zum Sammeln gibt. Kleine Kunstwerke für sich sind die Pralinen in der Schoko-Theke.
Ebenfalls im Untergeschoss arbeitet Henning an ihren Bildern, zurzeit an einem Kakaobaum.
Dazu hat sie wohl der Duft inspiriert, es bleibt aber trotzdem "richtig schwere, harte Arbeit".
Schon seit drei Wochen beschäftigt sie sich mit dem Gewächs, um es mit anderen Augen und ihren ganz eigenen Mitteln zu interpretieren. Bei der Vorstellung, dass den Künstler die Muse küsst und er dann in kürzester Zeit eine geniale Vision auf die Leinwand bringt, schmunzelt die 60-Jährige.
Sie arbeitet oft acht bis zehn Stunden konzentriert durch, und das zwei bis drei Wochen für ein großes Bild. "Ich fange gleich morgens an, dann küsst mich die Muse immer."
25.02.2010 - aktualisiert: 25.02.2010 12:50 Uhr