"Manchmal küssen wir uns auch"
Serie (I): Klampfkrampf: Eine Band, die ganz und gar nicht verkrampft ist
Das Wochenblatt stellt regelmäßig Bands aus dem Stadtteil vor. Dieses Mal ist die Degerlocher Band Klampfkrampf an der Reihe, die sich musikalisch auf nichts festlegen lässt. Von der Liebe über Gesellschaftskritik bis zum Gurkensalat besingen die vier Jungs alles in ihrer eigenen experimentierfreudigen Art.
Paul Becht, 18, Gitarrist und Sänger, kommt aus Degerloch, geht aufs Wilhelms-Gymnasium und ist der Perfektionist der Band Klampfkrampf, der die nötige Ernsthaftigkeit mitbringt - liebevoll auch "Nörgel-Paul" genannt. Moritz Ehmann, auch 18, ist der Coole, weil er seine Bass-Gitarre besonders tief trägt und zudem Laurin mit seinem "männlichen Bart" beeindruckt.
Laurin Freiberg, 17, Schlagzeuger, auch WG-ler, ist jetzt schon ein Lebenskünstler, der Jonglage und Akrobatik im Zirkus des Jugendhauses Helene P. macht und mal als Aussteiger im Wald leben wollte, doch den Plan hat er aufgegeben, "weil man da keine Freunde hat".
Joss Reinicke, 17 aus Möhringen, ist der manchmal konfuse Pianist, der auf klassische Musik steht und so viel übt, dass er sich sogar eine Sehnenscheidenentzündung holt, und trotzdem die Band als neues Mitglied mit seinen Klavierklängen vervollständigt.
Seit eineinhalb Jahren spielen die Jungs schon zusammen und haben vor zwei Wochen ihr mittlerweile zehntes Konzert gegeben. Einmal die Woche wird im Degerlocher Jugendhaus fleißig geübt, mindestens drei Stunden. "Meistens aber länger", sagt Laurin. "Wenn man dann um elf Uhr abends hier raus kommt, ist man ganz schön fertig." Relativ harmonisch und locker laufen die Proben ab, auch wenn Laurin mal seinen Text vergisst. Auf der Bühne ist das ihnen noch nicht passiert.
"Wollen wir entdeckt werden? Ich weiß es nicht", sagt Paul. "Es wäre schon cool, aber zunächst kommt das Abi, dann schauen wir mal weiter." "Das Wichtigste ist, dass wir Spaß an unserer Musik haben", fügt Laurin hinzu - Musik, die so gar nicht in eine Schublade gesteckt werden kann.
Etwa 25 selbst geschriebene, deutsche Songs haben die vier Musiker in ihrem Repertoire. Zwölf davon haben sie bereits in einem eigenproduzierten Album letztes Jahr veröffentlicht. Im Sommer folgt das zweite.
Experimentierfreudig sind sie eindeutig: Einflüsse von Pop, Rock, Punk oder Funk mischen sie auch mal mit synthetischen Klängen. Herauskommen Lieder wie "Perfektion! Nein, danke", "Unerreicht", "Regentanz" oder "Kuss", das auf einer wahren Begebenheit des 18-jährigen Paul beruht.
"Überhaupt mögen wir uns gerne", sagt Moritz und Laurin ergänzt: "Manchmal küssen wir uns sogar." Schallendes Gelächter bricht aus. Den Jungs ist anzumerken, dass sie auf einer Wellenlänge sind. "Obwohl wir alle so verschieden sind, passen wir auf musikalischer und persönlicher Ebene super zusammen." Da sind sich alle einig.
15.04.2010 - aktualisiert: 15.04.2010 12:07 Uhr
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